Sieger haben immer Recht. Diese Erfahrung haben die Deutschen nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg in vielfältiger Weise machen müssen. Militärisch geschlagen, sollten sie politisch umerzogen und zu Demokraten werden. Doch damit allein begnügten sich die neuen Machthaber oft nicht. Sie griffen in das Alltagsleben der Besiegten ein, wo immer das nur möglich war: Die Menschen in der Sowjetischen Besatzungszone hatten plötzlich nach Moskauer Ortszeit aufzustehen und zu arbeiten. In der französischen Zone mussten die Deutschen per Deklaration den Besatzern „ehrerbietig“ begegnen, Männer hatten zum Gruss den Hut abzunehmen. Amerikaner liessen Stadträte aus „erzieherischen“ Gründen mit blossen Händen Leichen umbetten. Der Autor beschreibt anhand dieser Absurditäten eine Phase, in der die Alliierten einen quasi rechtsfreien Raum betraten und teils – recht brachial – besetzten. Am Beispiel der unmittelbaren Nachkriegsgeschichte lässt sich exemplarisch die schmerzhafte Wandlung der Sieger zu Besatzern oder Beschützern nachzeichnen. Wenn sich auch mit Kriegsende die Teilung in eine westliche und eine östliche Einflusssphäre abzeichnete: Absurdistan war überall.
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