„Wenn man hier vom Sterben schreibt, meinen die doch, man wollte es gerne, so verrückt sind die, die drehen alles rum. Was mögen sie auf die Todesbescheinigung schreiben?“ Diese Sätze sind die letzten Lebenszeichen einer 34jährigen Psychiatriepatientin aus dem Saarland. Ihre Akte endet 1941 mit der Eintragung: „Aus kriegswichtigen Gründen nach unbekannt verlegt.“ Sie war Opfer der „Euthanasie“ geworden. Kaum eine andere Region war während des Drittes Reiches von der „Euthanasie“ so hart betroffen wie das Saarland. Von über 1.000 Psychiatriepatienten, die vor 1939 in saarländischen Anstalten untergebracht waren, überlebte nicht einmal ein Viertel das Dritte Reich. In seiner Studie verfolgt Christoph Brass das Schicksal dieser Opfer der nationalsozialistischen Rassen- und Gesundheitspolitik. Er vermittelt ein authentisches Bild von der Verfolgung kranker und behinderter Menschen und vom Elend des Anstaltsalltags. Ausführlich behandelt er auch das Thema „Zwangssterilisation“. Ihr wurden neben Kranken und Behinderten auch sozial „auffällige“ oder politisch missliebige Personen unterworfen. Brass gibt in seinem akribisch recherchierten Buch den Opfern ihre Geschichte zurück. und, ebenso wichtig: Er analysiert die Täter und ihre Handlungsspielräume, die keineswegs so begrenzt waren, wie sie nach 1945 glauben machen wollten.
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