Magisterarbeit aus dem Jahr 2006 im Fachbereich Geschichte Europas - Mittelalter, Frühe Neuzeit, Note: 1,5, Universität Leipzig (Historisches Seminar), Sprache: Deutsch, Abstract: Es sollen an dieser Stelle zwei Gründe angeführt werden, welche die Beschäftigung mit dem Ereignis Reformation in der Stadt Zittau lohnenswert erscheinen lassen. Zum einen die aussergewöhnliche verfassungsrechtliche und kirchenpolitische Stellung Zittaus im 16. Jahrhundert, zum anderen der Mangel an modernen wissenschaftlichen Arbeiten hinsichtlich der Rolle einer oberlausitzischen Stadt bei der Einführung der Reformation. Die böhmische Gründung Zittau wuchs spätestens seit ihrem Beitritt zum "Sechsstädtebund" 1346 in das politische Gebilde der Oberlausitz hinein, verblieb aber in der kirchenpolitischen Hierarchie beim Erzbistum Prag. Die Oberlausitz besass keine Herrscherdynastie, sondern gehörte abwechselnd zum Herrschaftsbereich der grösseren Nachbarn Sachsen, Brandenburg und vor allem Böhmen, ohne jemals von diesen einverleibt worden zu sein. Das macht die Bewertung der Stellung des "Markgraftums" innerhalb des Reichsgefüges schwierig, so erwähnt die Reichsmatrikel von 1521 das Nebenland der Böhmischen Krone nicht. Das Fehlen einer im Lande ansässigen Herrschaft führte zur Herausbildung einer Landesverfassung, die Karlheinz Blaschke als "Ständerepublik" charakterisierte. Die Städte gewannen auf Grund ihrer wirtschaftlichen Potenz ein Übergewicht gegen den formal politisch vorherrschenden Adel. Diese einzigartigen Voraussetzungen machen Zittau zu einem lohnenswerten Beispiel, um die These Bernd Moellers von der besonderen Rolle der Reichsstädte am Beginn der Reformation zu untersuchen, wiewohl Zittau nie freie Reichsstadt war, sondern nur "quasi-reichsstädtischen Rang" (Blaschke) hatte. Der "Sechsstädtebund" baute im 16. Jahrhundert Ersatzformen von Staatlichkeit auf, die im zweiten Teil der Arbeit auf ihre Anwendbarkeit hinsichtlich des "Konfessionalisierungstheorems" von Heinz Schilli
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