Die russische Exklave Kaliningrad hat in den letzten Jahren intensive transnationale Debatten ausgelöst. Dabei standen immer wieder nicht nur praktische Probleme, wie der Transit von Kaliningrad nach Russland, im Mittelpunkt, sondern auch Fragen der Identitätspolitik. Wie sehen die Kaliningrader sich selber? Seit der Perestrojka Gorbacevs in den 1980er Jahren gibt es in der Stadt am Pregel eine intensive Debatte um die deutsche Vergangenheit Kaliningrads. Spätestens mit der feierlichen Begehung des 750-jährigen Stadtjubiläums 2005 ist ein Bekenntnis zu Königsberg auch bei offiziellen Stellen kein Tabu mehr. Viele Kaliningrader sehen sich mittlerweile zwar als Russen, aber sie bestehen gleichzeitig darauf, dass sie in mancherlei Hinsicht, gerade auch wegen der besonderen Vergangenheit ihrer Stadt, andere Russen sind als die im Mutterland. Sie sehen sich selbst als westlicher und europäischer und gebrauchen die Vergangenheit ihrer Stadt, um sich in der Gegenwart ein lokales und regionales Profil zu geben. Der von Stefan Berger herausgegebene Sammelband thematisiert nicht nur die Debatten in Kaliningrad, sondern beleuchtet ebenfalls, welche Perspektiven die geistigen und geografischen Nachbarn Kaliningrads auf die Stadt an der baltischen Ostseeküste entwickeln, wobei besonders die Diskussionen in Deutschland, Polen, Litauen und Skandinavien Berücksichtigung finden.
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