Zwischen 1933 und 1937 fand in Bern ein spektakulärer Prozess statt. Dieser erregte weltweit Aufmerksamkeit, weil dabei Schweizer Richter über nichts weniger als den nationalsozialistischen Antisemitismus zu urteilen hatten. Im Mittelpunkt des Verfahrens stand die Schrift «Die Protokolle der Weisen von Zion». Mit Auszügen aus dieser Schrift hatten die deutschen Nationalsozialisten unter anderem den Boykott jüdischer Geschäfte vom 1. April 1933 begründet. Zwei Monate später erstatteten die Kultusgemeinde sowie der Schweizerische Israelitische Gemeindebund Strafanzeige wegen des Verkaufs der «Protokolle» in Bern. Daraufhin wurde gegen Mitglieder verschiedener Schweizer Fronten Anklage erhoben. In Zeiten grosser politischer Spannungen zwischen Deutschland und der Schweiz sprach das Berner Obergericht im Jahr 1937 in zweiter Instanz die Angeklagten schliesslich frei. Die Autorin nimmt erstmals eine eingehende juristische Analyse des Urteils vor. Dies führt zu dem erstaunlichen Ergebnis, dass der Freispruch letztlich die Folge einer Verteidigung rechtsstaatlicher Prinzipien war. Das Buch enthält ausserdem einen vollständigen Abdruck der Urteile beider Gerichtsinstanzen. Diese vermitteln dem Leser einen unmittelbaren Eindruck von dem Prozess, der keineswegs nur für Juristen von Interesse ist.
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