Diese Schrift widmet sich Vladimir Jankélévitch (1903-1985), einem in Deutschland im Unterschied zu seinem Heimatland Frankreich bisher nahezu unbekannten Moralphilosophen. In ihrem Focus steht eine umfangreiche Untersuchung seiner Konzeption des Begriffs Verzeihen. Dazu unternimmt sie in einem ersten Schritt zunächst eine Analyse seines spezifischen Wesens, welches drei grundlegende Merkmale beinhaltet: Das Verzeihen ist für Jankélévitch immer eine unentgeltliche Gabe, ein augenblickshaftes Ereignis und eine persönliche Beziehung zwischen zwei Menschen. Mit diesen drei Merkmalen grenzt es sich von Akten wie der Entschuldigung, dem Vergessen oder der Nachsicht ab. In einen zweiten Schritt wird sodann gezeigt, inwiefern sich Jankélévitch der problematischen Frage eines Verzeihens der nationalsozialistischen Verbrechen stellt und diese letztlich als konform mit seiner Konzeption des Begriffs Verzeihen mit einem klaren „Nein“ beantwortet. Auschwitz ist für ihn unabänderlich unverzeihbar. In einem dritten Schritt wird schliesslich erörtert, was einem moralischen Menschen im Sinne Jankélévitchs im Angesicht der Geschehnisse der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft bleibt: das Erinnern dieser Geschehnisse und das Eingedenken in das zeitindifferent gültige historische Faktum der Millionen Opfer. Denn die Vergangenheit besitzt für Jankélévitch eine moralische Dimension.
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