Wie sehr das Geld die Triebfeder menschlichen Handelns ist, wird kaum irgendwo so sichtbar wie im Film. Von den Anfängen bis in die Gegenwart werden im Kino immer wieder neue Geschichten erzählt, in denen das Geld Waren, Wünsche und Personen zueinander in Beziehung setzt und Zirkulationen mit ungeahnten Folgen auslöst. Das Kino führt uns vor Augen, das Geld stets mehr ist als sein eigentlicher Wert. Es zeigt, wie das Geld mit einem Begehren besetzt ist, das sich auf etwas anderes richtet, was mit dem Geld an sich nichts zu tun hat. Diesen Zusammenhängen – dem Phantasmatischen in der Ökonomie – geht das Buch auf die Spur. Nicht nur in thematischer Hinsicht ist die Beziehung von Kino zum Geld elementar. Die Produktionskosten eines Films sind im Vergleich zu denen anderer Medien immens. Durch ökonomische Faktoren wie auch die technischen Möglichkeiten bedingt, ist es in den letzten Jahren zu einer massiven Neudefinition des Kinos gekommen. Mussten früher nach dem Kinostart eines Films 120 Tage abgewartet werden, bevor die „Zweitauswertung“ beginnen durfte, so entfällt diese Sperre heute. Immer mehr Filme starten in den Kinos, während sie zeitgleich als „Video on Demand“ und als DVD auf den Markt kommen. Für die Filmindustrie ist das Kino kaum mehr als ein Markt für bewegte Bilder – und neben den anderen Auswertungsmöglichkeiten eines Films nicht einmal der lukrativste. Aufgrund der gleichzeitigen Präsenz eines Films in unterschiedlichen Medien misst sich die Aktualität eines Films nicht mehr allein daran, dass er in den Kinos läuft. Daraus ziehen wir den Schluss, dass als aktuell gelten kann, was gerade gesehen wird. Das heisst: wenn sich eine Gesellschaft über die derzeitige Finanzkrise im Medium des Films verständigen will, können alle Filme als relevant gelten, die für diese Frage herangezogen werden; nicht nur die Filme, die gerade im Kino laufen. In diesem Sinn ist ein Film wie "Die Austernprinzessin" (1919) genauso aktuell oder relevant wie "Wall Street 2" (2010)
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