Normalität ist schwer zu fassen: Sie orientiert sich daran, was innerhalb einer Gesellschaft sagbar ist. Damit ist sie zugleich ständigen Veränderungen ausgesetzt und differiert von Kultur zu Kultur und in der Geschichte. Dennoch lässt sich eine gewisse „common sense“-Definition von Normalität aufspüren, die vor allem dann zum Tragen kommt, wenn es Bruchstellen gibt, wenn ein gesellschaftlicher Zustand als nicht normal, als Ausnahmezustand, empfunden wird. Diese Ausnahmen werden als solche diskursiviert und im Gegenzug wird daran gearbeitet, wieder Normalität herzustellen. Normalität ist gespalten: Menschen in anderen Ländern fristen eine Existenz, die aus unserer Sicht als nicht normal bezeichnet werden kann. Die Terroranschläge vom 11.09.2001 lösten einen enormen Denormalisierungsschub aus. Ist heute zwar weitgehend durch unterschiedliche Strategien wieder Normalität hergestellt, so ist diese jedoch gleich in mehrfacher Hinsicht gespalten: Vermeintliche Terroristen werden - komplett entrechtet – weggesperrt und Berichte über grausame Folterungen gehen über die Nachrichten-Sender. Die heutige, von Unsicherheit und Angst gekennzeichnete Situation im Irak hat mit dem Anspruch der „Befreiung“; mit dem dieser Krieg geführt wurde, wenig gemein. Normalität ist auch überaus prekär: Der als Ausnahmezustand benannten Verarmung wird mit neo-sozialdarwinistischer Politik begegnet. Der Diskurs um den demografischen Wandel der Gesellschaft lässt es zu, dass heute vermehrt eugenische Konzepte diskutiert werden, die in die pränatale Diagnostik und Therapie eingreifen, oder dass volkswirtschaftliche Kosten für „Bedrohungen“ der Gesundheit der Bevölkerung, z.B. durch Vogelgrippe, kalkuliert werden. Die Sichtweise auf Einwanderung als Bedrohung statt als Normalfall ethnisiert soziale Probleme – Kulturen und Religionen werden auf Konfrontation gebracht. Welche Auswirkungen hat der weltweite Kampf um die Schlüsselressourcen unserer Erde auf Fragen um Normalität? Die Beiträge in diesem
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