Die Armenier, ein von jeher durch Zerstörung, widerrechtliche Aneignung und Vernichtung der Lebensgrundlagen bedrohtes Volk, erlebten spätestens seit dem 11. Jahrhundert den allmählichen Zerfall ihrer politischen Macht und staatlichen Souveränität. Mit diesem Verlust begann auch die Entwicklung und die Entstehung der traditionellen armenischen Diaspora. Obwohl die Verbindung von Identität und Verlust traditionell von zentraler Bedeutung für die armenische Kultur ist, markierte der Völkermord von 1915/16 eine historische Zäsur, die die traditionellen Lebensgrundlagen der Armenier grundlegend umwälzte. Die Autorin Mari Karaciyan-Berndt gibt zuerst einen Überblick über die theoretischen Grundlagen des kollektiven Gedächtnisses und der kulturellen Identität in den Sozialwissenschaften, sowie über den Begriff der Diaspora als ein kollektives Gemeinschaftsmodell. Im nächsten Abschnitt wird die kulturelle Identität der Armenier rekonstruiert, um zu zeigen, durch welche Instanzen die Überlebenden nach dem Genozid ein Anknüpfen an das Verlorene ermöglichen konnten. Der letzte Abschnitt behandelt die Frage nach der Bedeutung und die Folgen des Genozids für die armenische Diaspora heute.
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