Verlag der Autoren Scène 8
Alle in diesem achten Band der Reihe Scène versammelten Autoren sind (oder waren) auch Regisseure. Sie stehen damit, trotz ihrer grossen Unterschiede, für ein französisches Regietheater, das die Auseinandersetzung mit Thema und Text, mit Stück und Spiel sucht, indem es die Texte aus sich selbst heraus produziert. Und in einer dieser möglichen Fragestellungen treffen sich die Stücke dieses Bandes, so als käme das Theater, wenn es einmal dem nachhört, was seine Macher umtreibt, zwangsläufig immer wieder darauf zurück: sie handeln vom Krieg. Sie sprechen von Gewalt, da wo die Bilder einer medialen Allgegenwart von Krieg ihre eigene, gewissermassen schreckfreie Ästhetik produzieren. Sie suchen nach Worten für das, was zumeist sprachlos macht. Jean-Luc Lagarces LETZTE GEWISSENSBISSE VOR DEM VERGESSEN setzt im Kleinkrieg der Kommunikation an. Natürlich geht es dabei auch um Geld, um Erbe und Familienbande. Die Besitzfrage und soziale Statusproblematik bleiben aber insofern im Hintergrund, als Lagarce im scheinbaren Plauderton den eigentlichen Aggressionsursachen präzise nachspürt. Wie ein Familientreffen kommt auf den ersten Blick auch Joël Pommerats MIT EINER HAND daher – weil sich die Figuren als Vater, Sohn, Schwestern, als Ehemann oder Freunde bezeichnen lassen. Dann aber schleicht sich eine Fremdheit in die Beziehungen, zwischen die Worte und in das Schweigen, die die Konstellationen neu ordnet. Als im Herbst 2005 in Frankreich Vorstädte brannten, flammte mit den angezündeten Autos auch eine ängstliche Ahnung in den Nachbarländern auf. Hubert Colas’ DIE VERBRENNUNG hat lange vor dem aktuellen explosiven Gemisch aus politischer Kraftmeierei und urbanem Gewaltpotenzial den Finger in diese längst nicht nur französische Wunde gelegt: Aus den Hochhaussiedlungen des Städtebaus im 20. Jahrhundert haben sich Arbeitslosen- und Immigrantenghettos entwickelt, in denen sich mit steigender Frustration der Bewohner auch die Gewaltbereitschaft und Selbstjustiz eines Bandenrechts au
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