Ein engagierter Einmischungsversuch eines katholischen Theologen in den Streit um den Gottesbezug in der Europäischen Verfassung. Ist es angemessen, dem Wort »Gott« einen prominenten Platz in der Europäischen Verfassung einzuräumen? Ist ein solcher Bezug noch zeitgemäss in einer weitgehend säkularisierten Gesellschaft, in der ein gemeinsamer christlicher Hintergrund als normierender Plausibilitätsrahmen kaum noch existiert? Und was ist von dem Argument zu halten, beim Gottesbezug gehe es doch eigentlich nur um Geschichte, um Erbschaftsverhältnisse? Wer so argumentiert, findet sich leicht in der unbequemen Rolle des Nachlassverwalters wieder! Wäre es da nicht - aus theologischen, aber auch aus verfassungsrechtlichen Konsequenzen - ehrlicher, auf einen Gottesbezug zu verzichten? Georg Essen begreift den Streit um die Einfügung des »Präambelgottes« als eine exemplarische Fallstudie, in der es nicht allein um das Problem einer Selbstverortung von Religion im modernen Verfassungsstaat und in der säkularen Zivilgesellschaft geht. Denn nicht zuletzt steht in dieser Auseinandersetzung auch die positive Bezugnahme des weltanschaulich-neutralen Staates zu religiösen Sinnvorgaben zur Entscheidung an. Am Ende stellt sich die Frage, welchen Beitrag zur freiheitlichen Verfasstheit von Staat und Gesellschaft Religionen heute und in Zukunft leisten können.
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