Mit zunehmender Globalisierung ist es an der Zeit, bestehende Konzepte der Individualisierung in Frage zu stellen. Literaturwissenschafler, Historiker und Ethnologen hinterfragen kritisch die Kontexte autobiographischer Schriften. Die Geschichte von der Entdeckung des Individuums gehört zu jenen Meistererzählungen der okzidentalen Moderne, die im Zuge der Globalisierung zunehmend in Frage gestellt werden. Das Konzept passt nicht mehr so recht zu den Erfahrungen und Erwartungen von Menschen, die es gewohnt sind, in Kategorien von Netzwerken zu denken und zu handeln. Damit wird die Frage nach einer Geschichte der Beziehungen und Bindungen zu einem Desiderat. Eine wichtige Quelle stellen Selbstzeugnisse dar. Bis heute neigt die Autobiographieforschung dazu, diese Quellen am Parameter der Individualisierung zu messen. Die vorliegenden Aufsätze hinterfragen die Geschlechter-, Klassen- und Kulturgebundenheit dieses Konzepts. Sie analysieren die in Selbstzeugnissen formulierten Personkonzepte und suchen nach Wegen, autobiographische Schriften in ihren jeweiligen Kontexten zu erschliessen. Aus dem Inhalt: Ute Luig: Dynamische Konstrukte. Vorstellungen zu Person, Selbst und Geschlecht in afrikanischen Gesellschaften Andrea Griesebner/Christina Lutter: Geschlecht und »Selbst« in Quellen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit Eva Schlotheuber: Der Mensch am Scheideweg. Personkonzeptionen des Mittelalters Eva Kormann: Ich und Welt in der Autobiographik des 17. Jahrhunderts. Heterologe Selbstkonzepte bei Maria Elisabeth Stampfer und Elias Holl Thomas Max Safley: »So lang mir Gott das Leben verlihen.« Personkonzepte in Selbstzeugnissen der schwäbischen Kaufleuteschaft in der Frühen Neuzeit Özkan Ezli: Grenzenlose Psyche oder die Kollektivautobiographie »Mottenkugeln«von Aliya Mamduh Zum Jahrbuch für Frauenforschung: Das Jahrbuch für Frauenforschung Querelles steht in der Tradition der europäischen Frauen- und Geschlechtergeschichte. Querelles stellt einen Ort der Streitkultur im
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