Im öffentlichen Sprachgebrauch ist die ›Zweite‹ deutsche Rechte – die des zweiten Deutschen Reiches – in unterschiedlicher Gestalt präsent. Bald erscheint sie als Monolith, bald als amorphes Gebilde, dem jede klare Idee fehlt. Beide Sichtweisen sind unangemessen. Die Zweite Rechte war von Anfang an ein Ensemble von unterschiedlichen Strömungen, die sich nur selten und vorübergehend, aus ereignisbedingten und daher kontingenten Gründen verbanden; und sie verfügte durchaus über einen eigenen Ideenvorrat. Im Anschluss an seine Bestimmung der ›Grundpositionen der deutschen Rechten‹ (1999) untersucht Stefan Breuer nun die Spannweite der Stellungnahmen in zentralen Handlungsfeldern wie Innen- und Aussenpolitik, Wirtschafts- und Sozialpolitik, Familien- und Bevölkerungspolitik sowie in den Bereichen Kultur und Religion. Dabei wird erkennbar, wie sehr das NS-Regime auf der Linie sehr viel älterer ideologischer Traditionen lag – und wie sehr es zugleich von ihnen abwich, indem es unvereinbare Elemente mischte und so der Polykratie der Ressorts einen Polyzentrismus der Ideen hinzufügte. Ob es überhaupt so etwas wie ›Nationalsozialismus‹ im Sinne einer eigenständigen kohärenten Ideenformation gegeben hat, erscheint damit ebenso fraglich wie die Existenz einer ›Konservativen Revolution‹.
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